Leon Abramowicz
1889, Czernowitz, Ukraine – 1978, Wien, Österreich
Leon Abramowicz wurde am 18. März 1889 in Czernowitz (damals Teil der k.u.k. Monarchie, heute Ukraine) in eine jüdische Familie geboren. Zwischen 1912 und 1914 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München. Nach Aufenthalten zur künstlerischen Weiterbildung in der Schweiz und in Frankreich kam er 1920 nach Wien, wo er sich als Maler etablierte.
Im Mai 1938 wurde die Wohnung des Künstlers in der Schottenbastei 16 im 1. Wiener Bezirk, die er gemeinsam mit seiner Frau Marianne bewohnte, auf Befehl der Gestapo beschlagnahmt und im Herbst desselben Jahres geräumt. Etwa zur gleichen Zeit floh Abramowicz über die Schweiz ins französische Exil; seine Frau folgte ihm im Januar 1939. Die Kriegsjahre verbrachten beide in unterschiedlichen Internierungslagern, in diversen Verstecken sowie auf der Flucht. Trotz dieser widrigen Umstände gelang es dem Künstler immer wieder, künstlerisch tätig zu bleiben.
1950 kehrte Abramowicz schließlich nach Wien zurück. Während im Exil vor allem Landschaftsdarstellungen und Ausblicke aus den verschiedenen Verstecken entstanden, verlagerte sich sein malerischer Schwerpunkt in der Nachkriegszeit zunehmend auf figurative Motive. Da sein gesamtes vor 1938 entstandenes künstlerisches Werk sowie nahezu alle Nachweise seiner Ausbildung und Tätigkeit als akademischer Maler infolge der nationalsozialistischen Verfolgung verloren gegangen waren, legte er 1961 im Alter von 72 Jahren erneut ein Diplom als akademischer Maler an der Akademie der bildenden Künste Wien ab.
1978 verstarb der Künstler in seiner Wiener Wohnung. Eine institutionelle Anerkennung blieb ihm zeitlebens weitgehend verwehrt. Die Sammlung Renner-Lanjus bewahrt mehrere hundert Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Abramowicz. Dazu zählen unter anderem Stillleben, Landschaften, Atelierszenen, sowie figurative Arbeiten wie Porträts und Aktdarstellungen und Szenen aus jüdischen Gottesdiensten. Innerhalb der Sammlung nimmt Abramowicz eine biografisch singuläre Position ein. Seine Lebensgeschichte steht exemplarisch für das Schicksal vieler jüdischer Künstlerinnen und Künstler im 20. Jahrhundert: Vertreibung, Exil und die schwierige Rückkehr nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft.
In der Sammlung Renner-Lanjus

Leon Abramowicz, Ohne Titel, undatiert, Öl auf Pappe.
Foto © kunst.dokumentation.com / Manuel Carreón López